Und das im wahrsten Sinne der Wortes. Während meiner Tage in Rostock habe ich mich mit dem Rostocker FC getroffen, beim IFC Rostock gewohnt und mal wieder gemerkt, wie viel es ausmacht tolle Menschen um sich zu haben.

Allein unter Ärzten

Es ist schon sehr witzig, wenn man die WG von Moni, Nils, Franzi, Christa und Andi betritt. Vier angehende Ärzte und eine Logopädin wohnen gemeinsam in einer ehemaligen Arztpraxis. Und mein Zuhause für die nächsten Tage ist “Sprechzimmer 3”. Ich werde sehr offen von allen empfangen und fühle mich von der ersten Sekunde an aufgenommen und angekommen.

Ich weiß nicht, ob es die Sprechzimmer-Atmosphäre ist oder die Gewissheit unter Ärzten gut aufgehoben zu sein, jedoch startet mein Aufenthalt in Rostock am ersten Tag mit Hals- und Kopfschmerzen und ich verbringe den Tag mit viel Tee, Aspirin Komplex und schlafen.

Dies ist jedoch nicht weiter schlimm, denn seit Mittwochnacht ist es nass in Rostock und die Unwetter ziehen auf. Ich nutze die Zeit also, um meinem Körper Ruhe zu gönnen, Blogbeiträge zu schreiben und mich mal wieder mit dem Weltgeschehen auseinanderzusetzen.

Außerdem bereite ich mich auf meine Gespräch am nächsten Tag vor und bin gespannt:

Rostocker FC – Die größte Mädchen- und Frauenfußballabteilung in MeckPomm

Es ist Freitagnachmittag, bewölkt, aber sehr angenehm. Das Unwetter von letzter Nacht ist fast vergessen und das nächste noch eine ganze Weile hin. Ich treffe mich mit Susann Baltzer, Spielerin und Vorstandsmitglied vom Rostocker FC.


Basisdaten

Name: Rostocker FC
Sitz: Rostock, Mecklenburg-Vorpommern
Gründung: 20.Juni 1895
Mitglieder: 650
Besonderheit: Größte Mädchen-und Frauenfußballabteilung in MV, 180 Mitglieder in 6 Teams
Facebook Frauen:
Facebook
Kontakt und Infos:

Susann ist seit 2005 im Verein und hat die Mädchen- und Frauenabteilung mit aufgebaut, gehört also so zu sagen zum “alten Eisen”. “Ich bin damals zum RFC gewechselt, weil sich mein Verein aufgelöst hat. Aufhören kam für mich nicht in Frage und der Verein war damals sehr offen gegenüber einem Frauenteam und hat uns Spielerinnen mit offenen Armen aufgenommen.” Selbstverständlich war es erst einmal eine Testphase und die Mädels habe alles weitesgehend selbst finanziert. Heute ist die Abteilung die größte Mädchen- und Frauenfußballabteilung in Mecklenburg-Vorpommern und ein wichtiges Aushängeschild für den Verein, vor allem nach dieser erfolgreichen Sasion: Aufstieg in die Regionalliga, das bedeutet für die Ladies dann auch Auswärtsspiele in Leipzig und endlich wieder 11er-Besetzung auf dem Feld. Denn auch der RFC hat ebenso wie der Greifswalder FC in der bisherigen Liga Norweger-Modell gespielt. “Das war zum Teil nicht so motivierend für uns, weil natürlich dadurch weniger Leute zum Spielen gekommen sind, dass hat man auch arg an der Trainingsbeteilung gemerkt, aber nach dem Aufstieg sind wir nun alle wild darauf uns der neuen Herausforderung zu stellen.” Dabei wünsche ich den Mädels natürlich viel Glück, Energie und Kraft, denn es ist nicht immer nur mit Lob verbunden. “Viele sehen es nicht, dass wir als Frauenteam selbständig sind. Wir haben unsere eigenes Konto, kümmern uns selber um Sponsoren und trotzdem kam mit dem Aufstieg auch erstmal die Frage: ´Geht der Verein jetzt pleite?´ oder ´Wie soll das denn finanziert werden? Etwa durch Abstriche bei den anderen Mannschaften?´” Das Team steht mit beiden Beinen fest im Feld und hat sich um die Finanzierung selbstverständlich bereits im Vorfeld Gedanken gemacht.

Es ist leider des öfteren so, dass nur geurteilt, aber nicht nachgefragt wird. Dies ist auch einer der Gründe, weshalb sich der Verein definitiv nicht politisch positionieren möchte. “Es ist als Verein wichtig, dass wir ein freier Raum bleiben. Für alle!” Und für alle bedeutet auch für Flüchtlinge. Und da macht der RFC den entscheidenen Unterschie zu anderen Vereinen in der Umgebung. Dieses Jahr soll zum dritten Mal in Folge der “Tag der Integration” stattfinden. “Wir arbeiten mit Hilfe unseres Integrationsbeauftragten im Verein mit den Flüchtlingsheimen zusammen und laden die Familien ein, an dem Tag auf unser Gelände zukommen, in Mixed Teams am Fußballtunier teilzunehmen, aber auch durch andere Aktionen zu zeigen, dass wir als Verein der ganzen Familie gegenüber offen sind.” Aber auch über diesen einen Tag hinaus ist dem RFC die Integration wichtig. Sie haben dauerhaft einen Fonds, in dem Sportsachen, Schuhe und alles was eben abgegebenn werden kann, gesammelt wird, um Spieler auszustatten, die nicht die finanziellen Mittel haben. “ Es ist nur meist sehr schade, dass es sehr schwer für uns ist die Spielgenehmigung für einige Spieler zu bekommen. Meist dauert es viel zu lange und wenn es dann soweit ist, sind die Menschen leider schon wieder weg.”

Es dauert. Es braucht Zeit und Kraft, gegenseitige Unterstützung und ein Zusammenarbeiten, um unsere Gesellschaft und Welt ein klein wenig besser zu machen.

Laut gegen Nazis

So könnte man unseren Freitagabend beschreiben. Nach meinem Kocheinsatz in der WG in gemütlicher Runde starten wir nach Bad Doberan. Dort geben heute die Flexyfitz ein Konzert zur Präsentation ihres neues Albums für Freunde und Bekannte. Morgen findet zwar die offizielle Record Release direkt um die Ecke statt, aber die Anwesenheit in Bad Doberan ist wichtig. Zu viele Menschen mit braunem Gedankengut und rechter Meinung. Es kommt auch gern und schnell mal zu Ausschreitungen zwischen den beiden Lagern Links und Rechts, aus diesem Grund ist Solidarität zeigen angesagt.

Es wird ein feucht-fröhlicher Abend und auch ein bisschen Leipzig-Zuhause-Gefühl kommt auf, als Martin vorbei kommt. Wir haben uns im Killiwilly kennen gelernt und nun hat es ihn aus familiären Gründen wieder zurück in seine Heimat, in den Norden verschlagen. Wir trinken auf seinen Sprößling und genießen die Musik im Proberaum mit Garagenatmosphäre.

Und auch am nächsten Tag treffe ich auf ein bisschen Leipzig: Denise, eine ehemalige Arbeitskollegin und Freundin hat es Ende letzte Jahres zum Studium nach Rostock verschlagen. Wir treffen uns in einem kleinen Café und genießen das nordisch-graue Wetter im Freien. Es ist schön auf meiner Reise neben all den neuen Menschen, auch gelegentlich wieder auf alte Bekannte zu treffen und Menschen zu sehen, denn meist gehen die Wochen, Monate und Jahre zu schnell ins Land und aus einem “beim nächsten Mal” wird ein “Nie.”

IFC Rostock – Ganz klar, wir sind politisch!


Basisdaten

Name: IFC Rostock
Sitz: Rostock, Mecklenburg-Vorpommern
(Neu-)Gründung: 05.Mai 2015
Mitglieder: 60
Besonderheit: Sehr fortschrittlicher Verein mit Gründung vor dem 1.Weltkrieg durch englischen Sprachlehrer, 1905 erste Hinweise auf Frauenfußball
Kontakt und Infos:

Das es nicht immer einfach ist in unserer Gesellschaft und es Menschen braucht, die sich ganz klar positionieren, weiß auch der IFC Rostock. Der Verein ist noch sehr jung, besteht aktuell aus einer Männermannschaft und hat gerade die erste Saison im Ligabetrieb hinter sich. Ich habe den direkten Draht zum Verein durch Nils, meinen “Mitbewohner” während meiner Zeit in Rostock, und kann bereits am ersten Abend im Freigarten des Peter-Weiss-Haus ein paar Fragen los werden.
Der IFC Rostock möchte sich ganz klar politisch positioneren und das aus gutem Grund, weil Fußball eben nicht politisch frei ist, sondern (leider oft) voll von politischer Unkorrektheit.

“Unser Verein besteht ausschließlich aus Menschen, die sich politisch engagieren, eine klare Meinung haben und bestimmte Dinge in einem Stadion nicht dulden wollen. Vor allem Anhänger einer rechter Parteien und Fangruppierungen haben bei uns nichts zu suchen.” Aktuell besteht der Verein aus 60 Mitgliedern und befindet sich noch im Wachstum, da ist natürlich Nachwuchs sehr wichtig und der nächste wichtige Punkt auf der Angenda. “Wir haben Mitglieder, die bereits Erfahrung in der Kinder- und Jugendarbeit haben und sich vorstellen können eine erste Nachwuchsmannschaft aufzubauen”, erzählt mir Max, der nach dem Training gemeinsam mit Nils unterwegs ist. Und was sagen die Jungs zum Thema Frauenfußball? Für die Zukunft im Verein definitiv nicht ausgeschlossen, aber die bisherige Devise: Step by Step! Was ich nachvollziehen kann, weil natürlich mehr Abteikung und Mitglieder auch immer mehr Arbeit bedeutet.

Das die Aufgabenverteilung noch nicht immer perfekt funktioniert und der Verein sich in vielen Dingen auch noch ein bisschen selber finden muss, merke ich daran, dass leider kein weiteres Treffen zustande kommt. Jetzt (noch) nicht! Aber der Grundstein ist gelegt und wer weiß, wie es in einem halben Jahr aussieht.

Ich werde das Ganze auf jeden Fall im Auge behalten und für alle die mehr über den Verein wissen wollen, ihr schaut am besten in dieses Filmchen rein, denn auch so bin ich auf die Jungs aufmerksam geworden: Hier klicken, um zur ARD Mediathek zu gelangen (Verfügbar bis zum 08.12.2017).

Und was gibt es da sonst noch…

Rostock bleibt mir in sehr positiver Erinnerung. Zwar habe ich auf Grund des Wetters nicht allzu viel von der Stadt erlebt, aber ich habe wahnsinnig tolle Menschen kennen gelernt und die Tage damit verbracht, mich intensiv zu unterhalten und jede Begegnung sehr genossen. Ich habe definitiv wieder einmal über den Tellerrand geschaut, Dinge gehört, die mich nachdenken lassen, Meinungen überdacht und Neues entdeckt. Eine ganz besondere Entdeckung war zum Beispiel das Konzept der bunten Höfe. Für alle, die gerne frisch essen und das am besten regional, sollten sich die Seite auf jeden Fall mal anschauen, denn es geht darum Ernte zu teilen. Du bezahlst einen Monatsbeitrag, je nach dem welche Menge du benötigst, und bekommst einmal die Woche frisches, saisonales sowie regionales Gemüse direkt vom Bauern um die Ecke und wenn gewünscht direkt noch ein paar frische Bio-Eier. Ein Konzept, welches ich sehr gerne, wenn ich dann zurück bin, in meinen Alltag integrieren möchte, denn das Konzept gibt es bundesweit. Aufzupassen ist nur, wenn man allgemein nach solidarischen Höfe sucht, weil dabei kann sich auch leicht ein Hof einschleichen, der eher die rechte Gesinnung unterstützt und vertritt.

Zum Schluss bleibt da nur eins zu sagen: DANKE! Danke, Danke, Danke für die Offenheit, das Gefühl schon ewig ein Teil dieser Gemeinschaft zu sein, fürs neue Freunde finden und die Hilfsbereitschaft, auch meinen weiteren Weg mit Menschen zu pflastern und es mir damit ein Stück leichter zu machen.

Dank Moni weiß ich nämlich ganz genau, wo mich mein Fahrrad mich am Sonntagabend hinführen wird. Nach Wismar, zu Jule, Clemens, Lasse und Fiete und ich freue mich darauf, die vier kennenzulernen.