Eigentlich begann meine Reise nicht erst am 05.06.2017, sondern bereits im Oktober 2016, als die Idee der Tour allmählich Form angenommen hat. Seit Anfang/Mitte März bin ich nun schon mit sämtlichen Vereinen und Drahtziehern der Fußballszene Deutschland und Skandinavien in Kontakt und freue mich darauf nun endlich den Menschen hinter den E-Mails und SMS zu begegnen.


Basisdaten

Name: Tennis Borussia Berlin
Sitz: Berlin, Berlin
Gründung: 09.April 1902
Mitglieder: ca 650
Abteilungen: 5
Besonderheiten: Fußballfans gegen Homophobie
Historie des Vereins: Klicke hier
Kontakt und Infos:

Wie zum Beispiel Christian aus Berlin, welcher sowohl für den Lesben- und Schwulenverband Berlin-Brandenburg als auch bei Tennis Borussia Berlin und Fußballfans gegen Homophobie aktiv ist. Er ist mein Kontaktmann für meinen ersten Halt Berlin und der, passend zur Stadt und Dank seines Engagements, meine größte Station in Deutschland ist. Hier treffe ich in den Fanräumen von Tennis Borussia Berlin auf sieben Vertreter von vier Vereinen. Die Atmosphäre ist angenehm, alle sind offen für den Dialog und interessiert, was die anderen zu sagen haben.

ROTER STERN BERLIN

Als erstes sitzen mir Kathi, Claudi und Lars von Roter Stern Berlin gegenüber. Der Verein wurde 2012 gegründet und befindet sich seitdem stetig im Wachstum. Der neuste Zuwachs ist die Frauenfußballabteilung mit eigenem Team, welches vielleicht irgendwann aktiv am Ligabetrieb teilnehmen soll. Claudi gehört mit zu den Ladies, die mit der Idee, ein Frauenteam zu gründen, nicht länger hinter dem Berg halten wollten und, dank der Unterstützung des Vereins, seit einem Monat trainieren. Bislang leider noch ohne Trainerin. “Wir suchen eine Frau mit Erfahrung im Fußball, die Lust hat mit uns gemeinsam eine Mannschaft aufzubauen und voran zu bringen.”, erzählt sie. Da unsere Ladies bisher gute Erfahrungen mit männlichen Trainern gemacht haben, hacke ich noch einmal nach. Warum unbedingt eine Frau? “Wir wollen damit von vornherein eine eventuelle Barriere abbauen. Es gibt sicherlich Frauen, die vielleicht schlechte Erfahrungen gemacht haben oder sich einfach nicht wohlfühlen würden mit einem Mann als Trainer. Wir wollen das alle sich wohl fühlen, Spaß haben und keine Scheu haben zu unserem Team zukommen.”

Auch Kathi liebäugelt mit dem Frauenteam. Sie ist seit einem Monat (endlich) Mitglied, aber hat schon lange mit dem Verein zu tun. “Ich mag es, dass es nicht einfach nur um Sport geht. Es geht um so viel mehr. Durch meine aktive Arbeit bei “Die Linke” habe ich schon oft mit dem Verein zu tun gehabt und mag den bildungspolitischen Ansatz. Ich finde es schön, dass der Verein einen Raum schafft, in dem stets ein Dialog stattfindet, eigene Vorurteile abgebaut werden können und immer sehr offen miteinander geredet wird.”

Weil es um so viel mehr als nur um Fußball geht, ist auch Lars vor zwei Jahren zu Roter Stern Berlin gekommen. Er war und ist sehr aktiv in der Flüchtlingsarbeit, fand die Projekte cool und wollte mehr helfen. “Die Flüchtlinge müssen auch mal aus ihrer Unterkunft rauskommen, an die frische Luft, Menschen kennenlernen und mal wieder lachen.” Durch die Interaktion mit dem Verein lernen sie letztlich auch Kultur und Sprache besser kennen, kulturelle Missverständnisse können kommuniziert werden und auch die Mitglieder, Fans und Freunde von Roter Stern Berlin lernen mehr über die Kulturen, die diesen Planet ebenfalls ihr Zuhause nennen.

FSV HANSA 07

Alice vom FSV Hansa 07 ist von der ersten Sekunde an mit Herzblut dabei und ehrlich, wenn sie etwas nicht beantworten kann. Wie beispielsweise bei einem noch relativ neuen Projekt ihres Vereins: Fußball für Gehörlose! Ein sehr interessantes Thema, denn letztlich hat Rassismus und Diskriminierung nicht nur etwas mit der Herkunft zu tun.

Für Alice war der Kreuzberger Kiezklub eine sehr wichtige Stütze und Bezugspunkt als sie vor sieben Jahren nach Berlin kam “und auch wenn das vielleicht kitschig klingt oder abgedroschen, aber für mich ist der FSV Hansa 07 heute auch Familie.” Sie kam als das Frauenteam noch ziemlich am Anfang stand und erlebt mit, wie schwierig es ist sich als Fußballerin im Verein zu behaupten. “Frau muss leider erst sportliche Leistung bringen bevor sie in ihrer Sache ernst genommen wird. Ich habe mich nie unwohl im Verein gefühlt und auch auf Partys gab es so etwas wie Sexismus nicht, aber auf dem Spielfeld, da mussten wir uns erst behaupten.” Heute sind es vor allem die gegnerischen Teams, die den Sexismus ins Spiel bringen. “Ich finde es immer sehr schade und auch ärgerlich, wenn es sichtbar Vereinsmitglieder der Gegner sind, die dumme Sprüche bringen. Es ist auch immer ein bisschen schwer damit umzugehen. Die eine ignoriert es, die andere lässt ihre Wut darüber heraus.” Ihr Team und das Miteinander im Verein bedeuten ihr viel. Das merkt man. Nicht nur an ihren Worten, Alice hat bereits hauptamtlich für den Verein gearbeitet und fühlt sich dadurch noch mehr verwurzelt. Nur das Dasein als Schiedsrichterin hat sie zu ihrem eigenen Bedauern wieder aufgegeben. “Da waren einfach zu viele Barrieren, zu viel Kampf. Ich hatte da wirklich Lust zu und habe es immer noch, aber es wird einem als Frau ziemlich schwer gemacht.”

DISCOVER FOOTBALL

Ebenfalls schwer hat es Chris von DISCOVER FOOTBALL, allerdings im positiven Sinne, denn die Initiative hat auch den passenden Verein: DISCOVER FOOTBALL CLUB und machte ihr Vorhaben, die Fußballschuhe an den Nagel zu hängen, vorerst unmöglich.

Chris ist eine von 20 Frauen, die von Kreuzberg aus über den Tellerrand schauen und sich im Rahmen von DISCOVER FOOTBALL mit diversen Projekten und Events für die Sichtbarkeit von Mädchen, Frauen und Transmenschen im Fußball einsetzen. “Wir hatten dieses Jahr bereits ein Treffen, zu dem knapp 100 Fußballspielerinnen aus allen Himmelsrichtungen zusammen gekommen sind. Unser Ziel war es den Dialog zu suchen, über Probleme zu sprechen und Lösungen zu finden. Genau das ist uns gelungen.”

Nicht nur die Initiative, sondern auch der Verein setzt sich aktiv für die Sichtbarkeit ein. “Wir verteilen vor den Spielen immer Kapitänsbinden mit dem Aufdruck “Kapitänin” an die Spielerinnen der anderen Teams.” Aber auch hier bleibt der Sexismus nicht Fern und so kommt es hin und wieder zu Situationen, in denen es schwer ist einen kühlen Kopf zu bewahren. “Problematisch ist es vor allem dann, wenn man sich auch vom Schiedsrichter nicht ernstgenommen fühlt und letztlich noch belächelt wird, nur weil man darauf aufmerksam macht, wenn etwas politisch nicht korrekt ausgedrückt wird.”, erzählt Constanze aus dem Off, die ebenfalls beim DFC involviert ist.

TENNIS BORUSSIA BERLIN

Und eben nicht nur da, denn eigentlich ist Constanze als Sprachrohr für TeBe in die heiligen Hallen am Cube Berlin gekommen. Es ist auch schnell klar warum, denn sie hat den Überblick, zumindest meistens. Nur bei der Frage nach “Fußballfans gegen Homophobie” kommt Dennis ins Bild gehuscht, der heute eigentlich nicht vor die Kamera wollte. Die mittlerweile deutschlandweite Kampagne hat nämlich bei Tennis Borussia Berlin ihren Ursprung, der Legende nach bei einer wilden Auswärtsfahrt nach Cottbus. Heute ist der Banner schon durch so einige Stadien gewandert und für mich aus der Fußballlandschaft nicht mehr wegzudenken.

Dafür weiß Constanze aber alles zum Thema Frauenfußball bei TeBe und kommt leider mit einer traurigen Geschichte vor meine Kamera. Zwar schmückt sich der Verein heute noch gerne mit der erfolgreichen Frauenfußballabteilung, doch leider ist am Ende kaum noch Platz für die Damen. Wo einst ein 1.Bundesliga-Team sich seinen Namen machte, ist heute nur noch eine Kleinfeldbesetzung übrig. Doch woran liegt das? “Ansich ist es eine ganz einfache Sache: der Männerfußball zieht mehr Publikum, mehr Publikum bringt dem Verein mehr Geld und damit das auch so bleibt, wird das Geld auch weiter in die Männermannschaften gepumpt. Da bleibt am Ende eben nicht mehr so viel übrig, was schade ist. Weil letztendlich sind wir genau an dieser finanziellen Hürde gescheitert. Auch heute haben wir noch ambitionierte Spielerinnen mit Talent, haben versucht den Mädchenfußball wieder zu stärken und es mangelt auch nicht an fehlendem Interesse.” Fußball, die Männerdomäne.

Zum Schluss bringt es Constanze auf den Punkt: “Rassismus, Sexismus und Homophobie gibt es leider überall und auch wenn es langweilig ist, wir müssen immer wieder darüber reden. Am Ende ist es egal, ob wir Männer, Frauen oder Transmenschen sind, wo wir herkommen, welcher Religion wir angehören oder wen wir lieben. Wir spielen alle Fußball. Punkt.”

Ein paar Impressionen